UNSERE EMPFEHLUNGEN

Christoph W. Bauer

an den hunden erkennst du die zeit
Gedichte

Verlag Haymon
104 Seiten; 19,90 Euro
ISBN 978-3-7099-8160-3

 

„ich suche worte und finde ein staunen“: Christoph W. Bauers Gedichte trotzen dem Stillstand.

„uns nannten sie auch mal zukunft“.
Das Leben wütet in uns. Pausenlos und atemlos macht der Lauf der Dinge, was er eben macht: Er läuft. Und wir? Eilen, schnauben, jagen hinterher. Dichten uns Geschichten an. Aber hat die Zukunft überhaupt ein Wort über uns zu verlieren? Wo die Zeitachse rechts immer kürzer wird, stürzt sich die Vergangenheit auf uns mit Gebell. Erinnerungsströme ergießen sich, und was wir im Laufe des Daseins sammeln, drückt uns irgendwann im Schuh. Da bleibt doch nur: entwurzeln! Leinen los und hinaus! An Flüsse, auf offene See: Dort hat man nichts verloren und ist doch viel zu finden. Überhaupt: Was sich da im Wasser spiegelt und was uns selbst zu schäumenden Wellen werden lässt! Gehen, gehen, gehen, um aus sich herausgeworfen zu werden. Aber du ahnst es: Wohin auch immer du dich verabschiedest in vermeintlicher Freude, du läufst in Spurrinnen.

Der Dichter kommt uns auf die Schliche.
Von Fußstapfen und Hundeleben, Spinnenblut und Frömmigkeit, faulem Zauber und Odysseen, von der Sehnsucht nach und der Furcht vor sprachlosen Momenten: Christoph W. Bauer setzt zu Zeit- und Raumsprüngen an, wittert und nimmt Fährte auf, sucht das Weite und die Zerstreuung. Macht sich ein Bild, liest in den Geschichten, die auf der Straße liegen, und findet mit Sätzen Schlupflöcher aus der Enge. Genussvoll gibt er sich den Widersprüchen hin. Enthüllt das alles mit Worten, trägt es mit Humor und fasst es in widerständige und schelmische Verse.

 

Erika Wimmer-Mazohl

Wolfs Tochter

Verlag laurin
200 Seiten; 22,00 Euro
ISBN 978-3-903539-11-2

 

Aus fünf Perspektiven und in unterschiedlichen Tonlagen kreist der Text um eine ­zentrale Phase im Leben der Autorin, Psychoanalytikerin und Friedensaktivistin Erika Danneberg, die 2022 ihren 100. Geburtstag feiern würde. Im Fokus stehen der Krieg und die Nachkriegszeit, die Erika Dannebergs lebenslange antifaschistische Haltung begründeten.
Reflektiert wird die Abgrenzung vom nationalsozialistischen Vater wie auch das Ringen um Autonomie in ihrer Ehe mit dem Literaturvermittler Hermann Hakel, der sich als Prophet einer Generation gerierte und auf Frauen subtile Gewalt ausübte. Lebensfreude, Sinnlichkeit und Schreiblust haben Erika Dannebergs Leben ebenso geprägt wie tiefe ­Krisen und die unerfüllbare Sehnsucht nach dauerhafter Zugehörigkeit. Je entschiedener sie sich von Zwängen befreite, desto tiefer wurden ihre Freundschaften, umso mehr ­konnte sie sich in der Literaturszene neben bedeutenden Namen wie Marlen Haushofer, Ingeborg Bachmann, Dorothea Zeemann, Walter Toman oder Hans Weigel Gehör verschaffen. In der politischen Auseinandersetzung mit patriarchalen Strukturen, mit Rassismus und sozialem Unrecht ist sie zu einer starken Stimme im Umfeld der Wiener Psychoanalyse und der linken Szene im Österreich der 1970er bis 1990er Jahre herangereift.

„In ihren Texten erzählt sie von der Kindheit, ohne jemals Ich zu sagen, sie schildert die Umgebung eines nicht näher definierten Kindes, den quergestellten Kasten, die Blech­badewanne, die drohend klirrte, wenn das Kind vorbeilief, die freundliche Tür der großelterlichen Wohnung schräg gegenüber, sie stand immer offen, so dass das Kind hinein- und herauslief, wie es ihm beliebte, ich ermesse die Wohltat offener Wohnungstüren und das ungehinderte Laufen des Kindes, das Willkommensgefühl, das dieses Kind empfindet, auch kennt das Kind Notenköpfe, die der Großvater auf weißes, fein liniertes Papier malte, weißes Papier gab es im Krieg nur selten, das muss man bedenken, um das kindliche ­Staunen, das Erika mit großer Zartheit in Worte fasste, begreifen zu können, des ­Weiteren war das Kind von Gerüchen umgeben, die es neben den optischen und akustischen Eindrücken manchmal wie eine Wolke umgaben, etwa die erregende Mischung aus dem Aroma frisch gebrannten Kaffees und die Parfums fremder Gewürze, der Duft des Pfefferminzbonbons, das sich das Kind in den Mund schob und dessen äußere Schokoladenschicht auf der Zunge zergehen ließ, um rasch zu einem kühlen, würzigen Kern vorzustoßen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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